Erlebnisbericht Hjaldis – Teil 1

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Dieses Thema enthält 3 Antworten und 1 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von Profilbild von Ultra Ultra vor 7 Jahre, 1 Monat.

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    9. Travia des Jahres 1023 BF

    Rückfahrt auf dem ruhigen Ingval mit dem stolzen Drachenboot Miros Treu von Joborn nach Andergast. Unser Kapitän Dongrimm Aslivson ist ein stattlicher, gutaussehender Mann und ein waschechter Thorwaler obendrein! Wie aufregend!! Leider glaube ich, daß ich ihm mit meiner ständigen Fragerei inzwischen ein wenig auf die Nerven gefallen bin, jedenfalls hat er mich kurzerhand in den Bug „verbannt“ mit der Aufforderung ich solle mich da hinstellen und „gefährlich“ aussehen, damit uns ja keiner überfällt. Als ob uns mitten auf dem Fluß einer überfallen würde, hmpf!

    Ausser der Mannschaft der Miros Treu sind noch ein paar weitere Reisende an Bord. Da ist zum einen ein edel gekleideter Mann Names Wolf, der sich wohl für etwas besseres hält und wahrscheinlich auch ist. Als Botenreiter für irgendein reiches Handelshaus in Lowangen kommt er bestimmt auch ’ne Menge rum. Und da ist dann noch ein unscheinbarer junger Mann namens Leif, welcher ein wenig so aussieht wie ein zu alt gewordener Andergaster Straßenjunge. War eigentlich die ganze Fahrt über immer recht freundlich, aber Mutter hat gesagt ich soll mich von dieser Art Leuten fernhalten, solche Streuner wären schließlich kein ordentlicher Umgang!

    Naja, immerhin habe ich den Pfandbrief für meinen ersten Söldnerdienst nun in der Tasche und konnte die Tage sogar mein eingerostetes Thorwalsch etwas aufpolieren. Vater wird stolz auf mich sein wie 10 Praiosgeweihte und Mutter wieder schimpfen, daß diese Art Arbeit viel zu gefährlich ist für eine junge Frau, aber die Diskussion ist zum Glück ja bereits durch. Kann es gar nicht erwarten nach Hause zu kommen und Gerwulf wiederzusehen.

    Schenke uns Efferd eine ruhige Reise und immer eine handbreit Wasser unter dem Kiel!

    10. Travia des Jahres 1023 BF

    Bei den Zwölfen, ein kleines Kind treibt in den Wassern des Ingval! Immer noch am Bug eingeteilt hatte ich den Baumstamm an welchen sich das Mädchen mit letzter Kraft klammerte zwar schon länger im Auge gehabt, jedoch das Mädchen erst dann wahrgenommen, als es schon fast an der Miros Treu vorbei war. Mit einem erschreckten Aufschrei machte ich den Rest der Besatzung und die übrigen Passagiere, welche das Mädchen nicht selbst schon bemerkt hatten auf das drohende Unheil aufmerksam, drohtem dem Kind doch die Kräfte zu schwinden.

    Kurz davor mich selbst in die Fluten zu stürzen besann ich mich doch eines besseren, da ich mit Mutters Kettenhemd am Leib wahrscheinlich nicht besonders weit gekommen wäre! Zum Glück haben Wolf und Leif (hätte ich ihm gar nicht zugetraut) das Herz am rechten Fleck und sie stützten sich ohne zu zögern flußabwärts in den Ingval, welcher den Stamm mit dem Mädchen schon ein ganzes Stück an der Miros Treu vorbeigetragen hatte.

    Während ein Matrose und ich das Beiboot klar machten für den Fall, daß die Retter selbst Hilfe brauchen würden, schließlich war mit der Stömung des Ingval zu dieser Jahreszeit nicht zu spassen, bemerkt ich einen weiteren Mann, welcher am Südufer des Flusses parallel zu diesem an der Böschung entlangspurtete, scheinbar ebenfalls darauf bedacht, das Mädchen einzuholen, und welcher sich mit einem weiten Satz in die kalten Fluten stürzte.

    Hei es war ein harter Kampf bis die drei dem Fluß schließlich das Kind abgetrotzt hatten und glücklich erreichten schließlich alle das sandige Nordufer des Flusses in welchem unser Beiboot mit einem Knarren aufsetzte. Die Miros Treu hatte inzwischen am Südufer angelegt.

    Nachdem ich mich kurz dem Fremden vorgestellt hatte kümmerte ich mich umgehend um das Mädchen. Das arme Ding war am Ende seiner Kräfte, zitterte ob der Anstrengung und der Kälte des Flusses heftig und hatte bestimmt etliche Liter Wasser geschluckt. Schon beim Auskleiden des Mädchens um es in eine trockene warme Decke zu Hüllen fielen mir die Striemen auf seinem Rücken auf und die altbekannte Wut stieg in mir hoch. Bei meinem Zornesschrei schauten sich die am Ufer versammelten Männer erschrocken an. Ruhig bleiben Hjaldis, du musst dich um das Kind kümmern!

    Während ich versuchte die Kleine mit meiner Körperwärme und durch Schrubben mit der Decke wieder auf Temperatur zu bringen kam der Neue schon mit einem Arm voll Holz aus dem Wald zurück. Ich hatte Xilas aus Eichhafen also nicht ganz falsch eingeschätzt als ich ihn ob seiner Gewandung für einen Holzfäller oder Wildhüter gehalten hatte.

    Nachdem das Feuer lustig prasselte und wieder etwas Farbe auf das Gesicht des Mädchens stand war ich mir sicher, daß es überleben würde und ich dankte innerlich allen Göttern für die geglückte Rettung. Leise sang ich sanft die Lieder welche Mutter mir als Kind immer vorgesungen hatte während ich verzeifelt versuchte mich an die alten Texte zu erinnern. Zwar hatte ich mich in Abwesenheit meiner Mutter in früher Jungend des öfteren mal um meinen jüngeren Bruder kümmern müssen, aber das war inwischen auch schon eine ganze Weile her.

    Schließlich kam das Mädchen zu sich und sah uns verstört an. Ihm war deutlich anzumerken, daß es unwahrscheinliche Angst hatte. Schließlich schaffte ich es das Kind zu beruhigen und nachdem es etwas Vertrauen gefasst hatte erzählte uns Brinwen eine unglaubliche Geschichte.

    Vom Verschleppen von Kindern durch böse Männer (Orks?!) war da die Rede, von einem düsteren Verließ in einem steinernen Turm, von mitleidslosen Schlägen, von schrecklichen Experimenten mit ihren Freunden Thorwin und Mara und schließlich von ihrer Flucht in einem unbedachten Moment.

    In den Gesichtern der Männer um mich herum stand vermutlich die gleiche Erschütterung wie in meinem eigenen Gesicht. Konnte diese Geschichte wirklich wahr sein, so unglaublich wie sie sich anhörte? Konnte es in Andergast wirklich jemanden geben, der kleine Kinder entführte und für seine dunklen Zwecke mißbrauchte? Unvorstellbar!

    Immerhin konnte Brinwen recht detaillierte Angaben zu ihrer Flucht machen, so daß wir beschlossen nach der Stelle Ausschau zu halten bei der sie angeblich in das Wasser gesprungen war.

    Wir brachten das Mädchen schließlich auf die Miros Treu und fuhren weiter stromaufwärts, nun jedoch das Nordufer des Ingval unter ständiger Beobachtung haltend. Und tatsächlich, nach wenigen Stunden kam schließlich ein Felsen in Sicht, welcher dem aus der Beschreibung des Kindes glich.

    Nachdem wir Brinwen in die Obhut des Kapitäns gegeben hatten setzten Leif, Wolf, Xilas und ich mit dem Beiboot über und untersuchten den Strand und den Felsen. Xilas, der ein guter Spurenleser zu sein schien bestätigte schließlich die Geschichte des Mädchens und fand auserdem auch Spuren von Erwachsenen.

    Grimmig schaute ich die Männer der Reihe nach an und in unseren Blicken lag das unausgesprochene Übereinkommen der Sache auf den Grund zu gehen und dem unheiligen Treiben ein Ende zu setzen. Also signalisierte ich der Miros Treu weiterzufahren und wir schlugen uns unter der Führung des Wildhüters in den tiefen Wald. Eine aus zwei Jägern bestehende Patrouillie bemerkte Xilas glücklicherweise rechzeitig, so daß wir sie für unentdeckt umgehen konnten.

    Nach etlichen Stunden Fußmarsch kamen wir schließlich auf einen Trampelpfad, welchen wir bis zu einer kleinen in einem Talkessel gelegene Siedlung folgten, in deren Sichtweite wir allerdings halt machten, da wir nicht wußten was uns erwartete und wir nicht in eine Falle laufen wollten.

    Eine hölzerne Palisade umgab ein paar grob zusammengezimmerte Hütten und einen großen steinernen Turm. Bis hierhin hatte Brinwen also nicht gelogen, aber hielten sie dort drinnen wirklich Kinder gefangen? Die von einem munteren Bach umspülte Siedlung wirkte eigentlich recht normal, allerdings waren unverhältnismäßig viele Wachen auf dem Wehrgang der Palisade und auch an den Toren zu sehen. Leider konnte man auf diese Entfernung nicht erkennen ob es sich dabei um Orks handelte, oder nicht.

    Nach kurzer Unterredung mit den anderen beschlossen wir die Siedlung erst einmal zu beobachten um dann gegebenenfalls am nächsten Tag zur Tat zu schreiten. Also schlugen wir unser Lager außer Sichtweite der Siedlung auf und bereiteten uns auf die Nacht vor. Inzwischen war es ja auch schon ziemlich dunkel geworden.

    Blöd nur wenn man bei einer Reise nix zu Essen dabei hat! Naja, es ist ja nicht das erste mal wo ich mit knurrendem Magen schlafen gegangen wäre. Hmm, allein im Wald mit drei fremden Männern, Mutter wird sich freuen das zu hören. Ich warf also Leif noch einen vernichtenden Blick zu und mümmelte mich in meine Decke. Der Erste, der seine Finger nicht bei sich halten kann bekommt die Abreibung seines Lebens!!!

    #2635
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    11. Travia des Jahres 1023 BF

    Die Nacht war zum Glück relativ ruhig auch wenn es im Wald dann doch noch empfindlich kalt wurde. Nachdem ich mich ein wenig gestreckt und mangels Proviant auch das Frühstück hatte ausfallen lassen folgte eine scheinbar ewige Unterredung wie man denn nun am Besten vorzugehen habe. Wir einigten uns schließlich darauf uns als verirrte Reisende auszugeben (was wir zugegebenermaßen irgendwie auch waren) und offiziell um Einlaß und Verpflegung zu ersuchen.

    Am Tor der Siedlung wurden wir erst einmal von den Wachen angehalten (welche zum Glück Menschen waren), bis uns schließlich ein gewisser Haushofmeister Ardach für ungefährlich genug befunden hatte um uns Einlaß in das von ihm so genannte Anwesen Stürzenstein zu gewähren. Bei dieser Gelegenheit erfuhren wir vom ca. 30 Jahre alten Haushofmeister auch, daß der im steinernen Turm residierende Herr Stürzenstein, welchem hier anscheinend alles gehörte, von angegriffener Gesundheit war und daher keinen Besuch empfing.

    Der Geruch frischen Brotes ließ mir, hungrig wie ich war, sofort das Wasser im Munde zusammenlaufen und steuerte automatisch den Backofen an, aus dem eine alte Vettel gerade einige frische Leiber herausholte. Nachdem ich mich vorgestellt hatten verkaufte mir Hana schließlich einen Teil des frischen Brotes, welches ich sofort und gierig aß. Wie köstlich doch selbst blankes Brot ist wenn einem der Magen knurrt!

    Im Dorf selbst war zunächst nichts Verdächtiges zu erkennen. Zwar waren die Bewohner bis auf die ca. 65 Winter zählende Vettel allesamt recht scheu und mißtrauisch, und dementsprechend zurückhaltend, aber das war angesichts der abgelegenen Lage der Siedlung ja auch nicht weiter verwunderlich, schließlich war man in dieser Gegend nie ganz sicher vor Orks und anderen Untieren. Es gab das übliche Vieh, ein paar Haustiere und sogar einige Kinder der Bewohner waren ab und an zu sehen. Damit hatten wir jetzt eigentlich nicht gerechnet.

    Allerdings dämmerte es uns bald, daß doch etwas nicht stimmen konnte, da uns die Wachen stets im Auge hatten und einen selbst beim Gang zu Morgentoilette noch eskortierten, nur um uns freundlich, aber bestimmt, von drei schäbigen Hütten am Ende der Siedlung abzuhalten. Wer oder was wohl darin leben mochte?

    Da schließlich keiner den Mut aufbrachte nochmal nach dem Burgherren zu fragen rückten wir einige Zeit später schließlich unverrichterter Dinge ab um unsere Tarnung nicht zu gefährden.

    Bei Verlassen der Siedlung berichteten Xilas und Leif, das Hana etliche Andeutungen gemacht hatte und wenn sie diese richtig verstanden hätten, wir die Vettel später im Wald treffen sollen. Ich hätte der alten Frau wohl besser zuhören sollen! Also schlugen wir uns wieder in den Wald und warteten an der Stelle an der Hana vorgegeben hatte heute noch Kräuter suchen gehen zu wollen.

    Und nach kurzer Zeit kam Hana tatsächlich auf die kleine Lichtung mit den Kräutern und schüttete uns frei der Beobachtung durch die Wachen ihr Herz aus. Es sei tatsächlich wahr und eine Schande, daß Kinder verschleppt und im Turm gefangen gehalten würden. Dafür hätte der Herr Stürzenstein sogar einige Orks angeheuert. Außerdem stände ein merkwürdiger Gelehrter aus Punin Namens Haganon und dessen Schwester in den Diensten des Barons, welchen die Bewohner der Siedlung übrigends auch schon lange nicht mehr gesehen hätten. Sie könne nicht mehr länger mit dieser Schuld leben und würde uns daher heute Nacht das Tor der Siedlung aufstehen lassen, damit wir die Kinder befreien konnten.

    Seltsame Geräusche aus Richtung der Siedlung beendeten das Gespräch abrupt und die alte Frau eilte unvermittelt und verängstigt zum Anwesen zurück. Ein Blick an den Waldrand verriet auch schnell warum. Orks!!

    Anscheinend hatten sie unsere Spuren gefunden und begannen nun unsere Verfolgung aufzunehmen. Da wir die verfluchten Schwarzpelze nicht in unmittelbarer Nähe der Siedlung bekämpfen wollten gaben wir schleunigst Fersengeld und hofften uns so ausser Hörweite in den Wald abzusetzen.

    Leider war ich im Kettenzeug meiner Mutter ziemlich langsam unterwegs. Meine nur leicht gerüsteten Freunde und vor allem die leicht gerüsteten Orks waren weit schneller und hatten meinen Vorsprung schon nach kurzer Zeit zunichte gemacht.

    Als der erste hinterhältig geführte Stoss eines Orkspeers glücklich an meiner Wehr abglitt – Rondra sei Dank – war es mit dem davonlaufen vorbei und ich stelle mich zum Kampf. Leif und Wolf hatten die Probleme schon kommen sehen und kamen mir mit gezückten Waffen zu Hilfe, während Xilas seinen Langbogen herausgeholt hatte und den ersten Orken bereits in’s Ziel nahm.

    Insgesamt waren es 3 riesige, furchteinflössende Schwarzpelze, mit Speer, Gruftai und Byakka bewaffnet, heulend vor Wut und von rasendem Blutdurst getrieben. Ich hatte ja eigentlich schon seit mein Vater mich den Umgang mit den Waffen gelehrt hatte mal gegen die in Andergast besonders verhassten Orks kämpfen wollen, aber jetzt, so ganz nahe dran und auf Leben und Tod, das ist dann doch was anderes!

    Schon Xilas erster Schuß war ein Volltreffer und ließ den Ork mit dem Byakka erst einmal verwundet zu Boden gehen. Der mit einem Säbel bewaffnete Wolf trat dem Ork mit dem Gruftai gegenüber und ich, kaum mit der Zeit Mutters Breitschwert zu ziehen, sah mich dem Ork mit dem Speer gegenüber, welcher es wohl ziemlich auf mich abgesehen hatte.

    Der nur mit einem Dolch (!) bewaffnete Leif (darüber werde ich mit ihm wohl nochmal unterhalten müssen) und Xilas versuchten inzwischen dem verletzen Ork den Rest zu geben, was mit der Gust Rondras schließlich auch gelang.

    Hei, das war ein heisser Tanz, ein Hauen und Stechen, ein Schlagen und Fechten!!!

    Der Ork mit dem Hammer setzte Wolf jedoch übel zu. In einem Versuch dem Bedrängten aus der Patsche zu helfen versenkte Xilas auch noch einen Pfeil in dessen Hosenboden. Sicher sehr schmerzhaft und in einer anderen Situation wahrscheinlich auch sehr lustig gewesen, hier jedoch stand Wolf bereits kurz vor dem Ende! Zum Glück konnte ihm der hinzueilende Leif die dringend benötigte Entlastung bringen und die Aufmerksamkeit des Orken auf sich ziehen.

    Auch mein Kampf gegen den Orken mit dem Speer entwickelte sich dank dessen Reichweitenvorteil und weil es mir nicht gelungen war an meinen Schild zu kommen nicht besonders günstig. Zwar hatte ich ihm schon einen Schwertstreich verkostet, hatte allerdings auch einen Streifschlag am Schildarm, kurz unter dem Saum des Kettenhemdes einstecken müssen. Ich biss die Zähne zusammen und fluchte wild auf Thorwalsch. Bei Swafnir, eine Narbe ist war eines Kriegers durchaus schicklich, aber Mutter würde allerdings außer sich sein, weil die Narbe ja in jedem kurzärmeligen Kleid zu sehen sein würde!

    Xilas hatte seinen Bogen inzwischen wohlweislich beiseite gelegt und kam mir mit einem Jadgmesser bewaffnet nun zu Hilfe. Mit der anzahlmäßigen Überlegenheit ausgestattet ging ich nun voll in die Offensive und zusammen drängten wir den Schwarzpelz Stück für Stück zurück. Aus den Augenwinkel sah ich noch wie Leif gerade den Ork mit dem Gruftai abstach woraufhin Wolf erschöpft und nach Luft japsend zu Boden ging.

    Zu Dritt machten wir dann auch schnell kurzen Prozeß mit dem letzen Orken.

    Sieg! Mein erster Kampf (müssen die anderen ja nicht wissen), meine erste Verletzung, aber ein Sieg!! Auch wenn es mir leider nicht vergönnt war einen Todesstreich zu führen, wird Vater trotzdem wahnsinnig stolz auf mich sein!

    Die Schwarzpelze lagen im Dreck und wir kümmerten uns erstmal um unsere Wunden. Xilas entschuldigte sich natürlich ausgiebig bei Wolf für den mißglückten Schuß in den Nahkampf und begann sofort uns wieder zusammenzuflicken, da er außer dem Spuren lesen anscheined auch eine Menge von der Heilkunst verstand. Leif durchsuchte die Orks inzwischen nach Brauchbarem, aber ausser den primitiven Waffen und ein paar kleineren Münzen brachte die Untersuchung nichts Wesentliches zu Tage.

    Da wir nicht wissen konnten wie lange die Orks nicht vermißt werden würden, schleiften wir deren Leichen ins Unterholz und beschlossen uns bis zum Abend so weit es eben ging auszuruhen um dann wie mit Hana besprochen im Schutze der Nacht in die Siedlung und den Turm einzusteigen und zu versuchen die Kinder zu befreien.

    Also warteten wir auf die Dunkelheit…

    #2639
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    12. Travia des Jahres 1023 BF

    Wer zum Teufel hatte eigentlich die Idee mit dem reinschleichen?! Hätte den Jungs vielleicht mal deutlicher machen sollen, daß Schleichen im Kettenhemd eine ungefähr genausogute Idee ist wie Schwimmen im Kettenhemd!

    Nun lieg‘ ich hier am Aufgang zum Turm des Barons Stürzenstein und hoffe, dass die Wachen Tomaten auf den Augen haben und auf den ältesten Trick der Welt reinfallen. Aber mal von Anfang an…

    Nachdem es Nacht geworden war schlichen wir uns unentdeckt im Sichtschatten des Bergfrieds an die Außenmauer der Siedlung an. Als über uns aus dem Turm plötzlich eine wunderschöne weibliche Stimme ertönte und ein trauriges Lied sang hatte das dann schon was gespenstisches. Nachdem was Hana erzählt hatte könnte das die Schwester des Gelehrten aus Punin sein. Wir drückten uns also an die Mauer und ließen erst den Gesang verklingen bevor es weiterging.

    Wie uns Hana versprochen hatte war eines der Tore der Siedlung offen und wir huschten schnell in den Schutz eben genau der Hütten, zu denen uns die Wachen am Tage keinen Zutritt gelassen hatten. Nach kurzer Untersuchung entschieden wir, daß dise Hütten den Orks gehört haben müssen, welche wir am Nachmittag im Wald erledigt hatten.

    So gut es ging blieben Xilas, Wolf und ich in der Deckung der Hütten während Leif die Eingangstür des Bergfrieds auf die Probe stellte. Nachdem er uns signalisiert hatte, daß die Türe offen war, schlichen Wolf und Xilas leise hinein. Als ich schließlich am Zuge war schepperte leider mein Schild gegen die steinerne Rampe welche zum Turm hinauf führte und ich ging erst einmal in Deckung, denn anscheinend war das Geräusch von einer der Nachtwachen bemerkt worden.

    Also lag ich da, regungslos und mit verhaltenem Atem um ja kein weiteres Geräusch zu machen. Leider kam die Wache immer näher, so daß ich auf einen Bauerntrick zurückgreifen musste. Geistesgegenwärtig fanden meine Finger einen größeren Kiesel und ich schleuderte diesen so unauffällig es eben ging zwischen zwei dem Eingang entgegen gelegene Hütten. Zum Glück für uns fiel die Wache auf mein Ablenkungsmanöver herein und ging zwischen den Hütten nachsehen. Nach einem mal kurz Durchatmen nutzte ich Phexens Gunst um mich an der Rampe hochzuziehen und endlich hineinzuhuschen.

    Dort warte außer den anderen auch gleich die nächste Überraschung, als ich in der Dunkelheit der Eingangshalle beinahe eine der dort zu Zierde aufgestellten Ritterrüstung angefallen hätte. Puhh, Hjaldis langsam!

    Da aus dem nächsten Stockwerk noch Lichtschein an unsere Augen drang beschlossen wir uns erst einmal im Erdgeschoss umzusehen und fanden dort auch gleich eine Treppe in den Keller, wo ja nach Brinwens Aussage die Kinder sein mussten. Leider mussten wir schon nach kurzem unverrichterter Dinge umkehren, da uns auf der Treppe nach unten trotz Leifs offenichtlicher Kunstfertigkeit im Öffen von Schlössern ein verschlossenes Eisengitter das weitere Vorwärtskommen leider unmöglich machte.

    Dann stolperten wir in ein Labor. Zumindest sah es aus wie eines! Ein großer Raum von unten bis oben vollgestopft mit allerlei merkwürdigen Apparaturen, Gläsern mit seltsamen Inhalten, getrockneten Kräutern, dicken Büchern, dutzenden Schriftrollen, lebenden und ausgestopften Tieren und einem großen Holztisch auf welchem man wohl jemanden festbinden konnte und der auch äußerst benutzt aussah. Hier als führte das Scheusal wohl seine schrecklichen Instrumente durch, doch zu welchem Zweck?

    Unsicher stöberten Leif, Wolf und Xilas ein wenig herum während ich die Eingangstüre zum Labor im Auge hatte und tatsächlich fanden sie etliche Aufzeichnungen und Berichte in denen beschrieben stand warum dies allen den Kindern angetan wurde. Der Baron, wohl alt und vom Tode bedroht, war auf der Suche nach einem Jungbrunnen um seine Gesundheit wieder herzustellen und Haganon der Gelehrte aus Punin war anscheinend dabei sein nur allzu williger Helfer!

    Bei den Zwölfen was für ein unglaublicher Frevel!!

    Mir dröhnte der Kopf als die schreckliche Wahrheit langsam in mein Bewußtsein sickerte und ich konnte kaum noch klar denken, als wir den Raum betraten, welcher sich als Schlafstätte des Alchimisten herausstellte.

    Nachdem wir ihn etwas unsanft geweckt hatten und sicher waren, daß es wirklich Haganon war, stellten wir ihn zur Rede und konfrontierten ihn mit der Unglaublichkeit seines eigenen Handelns. Als er jedoch damit begann seine Taten abzustreiten platze mir ob der Kaltblütigkeit mit deren er die Verbrechen an den Kindern leugnete entgültig der Kragen.

    Mit einer wüsten Verwünschung machte ich einen großen Satz auf das Bett und begann dem eigentlich so unschuldig aussehenden jugen Mann mal so richtig die Fresse zu polieren. Hätten mich Leif und Xilas nicht mit vereinten Kräften von diesem Scheißkerl heruntergezogen, ich glaube ich hätte ihn in meiner Wut in dieser Nacht wohl mit blanken Fäusten totgeschlagen!!

    Auf jeden Fall war er nun etwas gesprächsbereiter, auch wenn er sich natürlich rauszureden versuchte. Eigentlich würde er ja nur für den Baron Stürzenstein arbeiten, weil dieser seine Schwester als Druckmittel gegen ihn benutzen würde. Von alleine hätte er die ganze Sauerei natürlich *nie* gemacht. Einfach lächerlich!

    Allerdings verriet er uns auch, daß der Schlüssel zu den Verließen der Kinder bei der Wachobersten zu finden sei, welche aber mit den übrigen inaktiven Wachen des Anwesens zusammen gerade in einem gemeinsamen großen Schlafraum nächtigte, was das Erlangen des Schlüssels ohne größeres Blutvergiesen nahezu unmöglich machte.

    Als wir gerade überlegten was mit ihm geschehen sollte und wie nun weiter vorzugehen sein bot uns Haganon überraschenderweise plötzlich an uns mit einem Schlafpulver zu helfen, falls wir im Gegenzug bereit wären zusammen mit den Kindern auch seine Schwester vor dem Baron zu retten.

    Ich konnte an den zusammengekniffenen Minen meiner Freunde sehen, daß sie dem windigen Gelehrten genausowenig über den Weg trauten wie ich selbst, aber was sollten wir machen? Da uns schlicht die Zeit davonlief willigten wir schließlich in den Kuhhandel ein und ließen Haganon etwas Bewegungsspielraum in seinem Labor.

    Nach nicht allzu langer Zeit kam er wirklich mit einem Topf einer alchemistischen Tinktur zu uns und riet uns den Deckel erst im Wachraum zu öffnen um nicht selbst dem tiefen Schlaf anheim zu fallen.

    Auf dem Weg nach oben zum Schlafstube nahmen wir ihn natürlich mit, selbst auf die Gefahr hin, daß er uns verraten könnte. Soweit es mich betrifft wäre dies dann auch seine letzte Tat gewesen. Es war allerdings erstaunlich ruhig und wir erreichten den Schlafraum dann auch ohne Zwischenfälle.

    Leif, der sich von uns allen wohl am besten auf das lautlose Bewegen verstand, öffnete leise die Türe und schlich mit der Schlaftinktur in das Zimmer. Danach warteten wir kurze Weile, welche mir wie eine Ewigkeit vorkam, einfach um dem Mittel Zeit zu geben zu wirken.

    Haganon hatte was seine alchemistischen Künste betraf jedoch nicht gelogen und mit angehaltenem Atem nahmen wir schließlich den Schlüsselbund der nun tief in Borons Armen schlafenden Weibelin an uns. Da am Bund auch den Schlüssel für das Zimmer von Haganons Schwester befestigt war hatten wir nun sogar zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen.

    Nachdem wir die Schwester geweckt und ihr die Lage erklärt hatte, nahm diese schlaftrunken ihr nötigstes Hab und Gut an sich und wir begaben uns wieder in den Keller um endlich die Kinder zu holen, was uns mit den Schlüsseln der Weibelin auch gelang.

    Als wir gerade alle etwas abgelenkt waren, ich zum Beispiel versuchte gerade die verängstigten Kinder zu beruhigen, nutzte Haganon die Gunst der Stunde, schlich sich in sein Labor und schleuderte überraschen einen Brandsatz derartig, das binnen kurzer Zeit das Labor lichterloh brannte und er selbst vom Feuer vollständig eingeschlossen war.

    Nach seinen letzten Worten wollte er für das, was er getan habe büßen und auch verhindern, daß seine Aufzeichnungen und Forschungsergebnisse nun in fremde Hände gelangen könnte, welche mit diesem Wissen vermutlich ähnlichen Schaden würden anrichten können.

    Mochte er in den letzen Minuten seines Lebens tatsächlich eingesehen haben welche Greuel er im Namen seiner Wissenschaft letzlich doch verübt hatte?! Es wäre ihm zu wünschen gewesen!

    Da abzusehen war, daß ob der sich rasant ausbreitenden Feuersbrunst bald der gesamte Bergfried niederbrennen würde schickte ich die anderen mit den Kindern nach draussen um noch so viele Leben wie möglich zu retten. Auch wenn die oben schlafenden Wachleute Teil des perfiden Spiels des Barons gewesen waren hatten sie es meiner Ansicht nach dennoch nicht verdient im Schlafe zu verbrennen!

    Während sich das Feuer also gierig durch den Turm fraß trug ich nacheinander mehrere Schlafende oder Verwundete ins rettende Freie, bevor ich selbst Fersengeld gab um mich den im Wald Wartenden anzuschließen. Vom Baron jedoch war die ganze Zeit über während ich im Bergfried unterwegs war nichts zu sehen, war mir aber auch scheissegal! Sollte er doch in seinem persönlichen Fegefeuer verrecken, der elende alte Drecksack!

    Mit der überdimensionalen Fackel des brennenden Turmes im Rücken, welche selbst die düstere Nacht fast zum hellichten Tage machte, schlugen wir uns noch etwas tiefer in den Wald um Abstand zwischen uns und die Siedlung zu bringen, da wir uns nicht sicher waren, ob man uns denn verfolgen würde.

    Als die Kinder schließlich nicht mehr konnten, schlugen wir so gut es eben ging ein provisorisches Lager auf und ruhten uns erst einmal aus, auch wenn ich persönlich wenig schlafen konnte, denn zu beunruhigend und lebhaft waren die Eindrücke der letzten Nacht und meine Gedanken wollten einfach nicht zur Ruhe kommen.

    Bei den Zwölfen was würde uns der neue Morgen wohl bringen?!

    #1363
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    Ultra
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    13. & 14. Travia des Jahres 1023 BF

    Die nächsten zwei Tage vergingen eigentlich wie im Fluge.

    Geführt von Xilas machten wir uns auf Richtung Eichhafen, allerdings waren wir mit den Kindern zusammen natürlich entsprechend langsam unterwegs, weswegen wir stets Angst hatten, daß man uns vom Anwesen Stürzenstein nachsetzen könnte.

    Aber anscheinend hatten die Überlebenden des Brandes und die zurückgebliebenen Dorfbewohner dort auch ohne uns genug zu tun, so daß uns schließlich niemand verfolgte.

    Mit etwas Glück fanden wir dann am Ingval sogar ein kleines Boot, welches dort im Schilf verborgen war, und von uns ohne größere Debatte dann auch schnell in Beschlag genommen wurde. Dies erleichterte unsere Reise natürlich ungemein.

    Erst mal in Eichhafen angekommen wurden wir dort auch äußerst freundlich empfangen, da sie Kapitän Aslivson und Brinwen natürlich schon unterrichtet hatten, und es stellte sich heraus, daß das Verschwinden der Kinder auch schon von den lokalen Behörden registiert worden war, welche für Hinweise oder das Auffinden der Kinder bereits eine Belohnung angesetzt hatte.

    Jedenfalls habe ich außer dem Soldbrief nun auch das Dankschreiben aus Eichhafen in meiner Tasche! Bei Phex, was ein Abschluß!

    Die Leute lauschten erstaunt unserer unglaublichen Geschichte und versorgten uns dankbar ob der Rettung ihrer Kinder mit allem was wir zu Leben brauchten. Von einer glücklichen Mutter bekam ich einen neuen (gebrauchten) Rock, nachdem ich meinen zu Verbänden verarbeitet hatte um Wolf zu helfen, und der Dorfschmied hat vollkommen umsonst die geborstenen Kettenringe meines Kettenhemdes wieder geflickt.

    An das Gefühl ein Held zu sein könnte ich mich durchaus gewöhnen! =)

    Einen Silberstreifen am Horizont gab es aber doch noch. Die Schwester des Gelehrten, Nalia Lederer, war ob des Freitodes ihres Bruders natürlich entsprechend geknickt und wir ließen sie deshalb erst einmal in Ruhe, damit sie mit sich und dem Vorgefallenen wieder in’s Reine kam.

    Zeit ihre Version der Geschichte zu hören war ja später immer noch, oder?

    Ende des ersten Teils…

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