Der alte Mann und seine Geschichten

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    Philipp
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    Auf einmal fing der alte Mann am Feuer an zu erzählen:

    “ Es begann alles am Erdtag des 10. Travia des Jahres 1023 BF. Es war ein noch frischer Frühlingsmorgen als der Dorfbüttel zu meiner kleinen Hütte am Rande von Eichhafen lief. Ich hackte gerade etwas Holz, als ich ihn schon bemerkte. Er wirkte gehetzt, aber das war normal. „Praios zum Gruße Waldmann!“ rief er mir zu. Ich erwiderte den Gruß mit einem „Firun’s Dank“. Ich hörte mit dem Holzhacken auf und wischte mir den Schweiß von der Stirn als mir der Dorfbüttel einen Brief in die Hand drückte.

    „Drüben in Hinterstetten sind mehrere Kinder verschwunden. Wir sind auf der Suche nach Spuren und da dachte ich gleich an Dich.“

    Hinterstetten, war ein kleines Dorf etwa 3 Stunden entfernt flussabwärts der Ingval entlang. Es passte zwar nicht in meinen Tagesablauf, aber wenn es um Kinder ging, war ich immer bereit sofort zu helfen. Das hing wohl auch mit meiner eigenen Kindheit zusammen.

    „Ich schau mich mal um. Ich werde wohl die nächsten zwei, drei Tage nicht in Eichstätten sein.“ brummelte ich. Darauf drehte sich der Büttel um, sagte noch einen Dank und ging.

    Ich rief nach Filou, meinen treuen schwarzen Wolfshund, der in der warmen Frühlingsonne lag und ging in meine Hütte. Ich holte meinen Langbogen, Rucksack, etwas Proviant und noch ein paar Kleinigkeiten die ich so brauchen würde und machte mich gleich auf den Weg.

    Nachdem ich Eichhafen verlassen hatte, fühlte ich mich gleich wohl. Wie es immer passierte, wenn ich besiedelte Gebiete verließ und in Wälder kam. Der Wald duftete herrlich nach Frühling und ich genoss die Stimmung so sehr, dass ich gar nicht bemerkte, wie auf einmal Jemand durch das Gebüsch direkt vor meine Füße lief. Ich war so erstaunt, dass ich gar nicht reagieren konnte.

    „Habt ihr einen Drachen gesehen? Dieses Miststück hat mir etwas geklaut!“ waren die ersten Worte dich ich von ihm hörte. Vor mir stand ein stattlicher Zwerg, mit sorgfältig geflochtenen Bartzöpfen, schulterlange Haare und braunen, zornigen Augen. Er hatte eine gespannte Armbrust in der rechten Hand und in der linken Hand die Zügel eines kleinen Packpferdes. Mir fiel sofort auf, dass das Pferd gut behandelt wurde.

    „Einen Drachen?“ erwiderte ich ungläubig. „Ja, ein kleiner Baumdrache!“ schrie er mich an, während er in den Himmel starrte. Ich dachte nach, konnte aber mich an kein Tier erinnern, welches hier im Wald lebt und ein Baumdrache sein sollte. Ich sagte ihm, dass ich schon recht lange im Wald arbeitete und noch nie Baumdrachen gesehen habe.

    Gerade als der Zwerg etwas erwidern wollte, hörten wir auf einmal das Wimmern eines Kindes.

    Es kam vom Fluss, und ich zögerte nicht lange um dorthin zu laufen.

    Gerade als ich das Schilf zur Seite bog, sah ich die mächtige Ingval. Der Fluss führte stark Wasser, was normal im Frühling ist, da aus den nördlichen Bergen viel Schmelzwasser kam. Von daher wusste ich, dass die Strömung tückisch ist. Ich sah auch gleich ein kleines Kind, welches sich an einen Baustamm klammerte. Es wirkte schwach und ich befürchtete, dass es sich nicht mehr lange an den Baumstamm werde halten können.

    Ich sah aber auch noch ein Flussschiff, welches wohl gerade stromaufwärts in Richtung Andergast unterwegs war. Es war eines der kleineren Drachenboote aus Thorwal, welche häufig zum Transport von Passagieren und Fracht benutzt wurde. Der Hektik an Bord nach zu beurteilen, war das Kind auch der Besatzung an Bord aufgefallen.

    Ich sah mehrere Männer und eine große, junge Frau in Kettenhemd auf die backbord Seite rennen. Da die Strömung recht schnell war, überlegte ich mir, dass ich wohl besser erst am Fluss entlang laufe und dann etwas unterhalb des Kindes in das Wasser springen würde um so schneller bei dem Kind zu sein. Also lies ich meinen Bogen, meinen Rucksack und weitere Ausrüstung so schnell es ging auf den Boden fallen, befahl Filou bei den Sachen sitzen zu bleiben und raste los. Den Zwerg hatte ich schon komplett vergessen.

    Während ich am Ufer entlang rannte, sah ich einen Mann vom Schiff ins Wasser springen. Gut, dachte ich mir während ich mich auch vorbereitete ins Wasser zu springen.

    Kopfüber stürzte ich mich in die Fluten und war überrascht von der Kälte und auch der Gewalt des Wassers. So sehr, dass ich erst Schwierigkeiten hatte mich im Wasser zu orientieren und Richtung Kind zu schwimmen. Allerdings sah ich, dass der Mann zielstrebig und mit raschen Zügen zu dem Baumstamm schwamm. Als ich mich etwas an das Wasser gewöhnt hatte, schaffte ich es auch so zu schwimmen, dass der Mann mit dem Kind an mir vorbeigleiten würde. Da bemerkte ich, dass der Mann Schwierigkeiten hatte, dass Kind zu fassen und über Wasser zu halten. Das Kind entglitt seinen Händen und trieb direkt auf mich zu. Trotz der Tatschache, dass ich selbst mit dem Wasser zu kämpfen hatte. Schaffte ich es, das Kind abzufangen und festzuhalten. Ich hielt seinen Kopfchen über dem Wasser und schluckte daher selber viel.

    Den Zwölfen zum Danke kam aber kurze Zeit später schon ein kleines Ruderboot mit einem Matrosen und der großen Frau mit Kettenhemd. Beherzt griff die Fremde nach dem Kind und zog es an Bord. Ich schaffte es selbst mich ins Boot zu hieven.

    Vom Flussschiff hörte ich Jubel aufbrausen, als wir das kleine Mädchen an Bord hatten. Wir ruderten zu dem näher gelegen Ufer und legten es dort auf den warmen Strand.

    Als ich auch auf dem Strand war und gerade etwas verschnaufte von den Anstrengungen streckte mir die fremde große Frau ihre Hand entgegen und sagte:“ Gut gemacht. Ich bin Hjaldis Laskedotter und wer seid ihr?“

    Ich stellte mich vor und betrachtete Sie etwas genauer. Am meisten faszinierte mich ihr freundliches, ebenmäßiges, wenn nicht gar hübsches Gesicht in welchem sich ein paar vereinzelte Sommersprossen tummeln, mit fein geschwungenen Lippen und strahlend blauen Augen. Ihre blonden Haare waren zu Zöpfen geflochten und Sie kupferne Ohrringe zierten Ihre Ohren.

    Während ich Hjaldis betrachtete, gab Sie schon Kommandos und ich überlies ihr gerne das Wohlbefinden des Kindes. Ich befürchtete nämlich, dass Borons Raben schon warteten, da das Kind nicht mehr schnaufte, Hjaldis allerdings sagte, dass sie sehr wohl noch atmete und noch Wärme bräuchte.

    Ich schaute mir auch den andern Mann an, der so mutig vom Schiff in die Fluten sprang um dem kleinem Mädchen zu helfen. Er stellte sich als Leif vor und hatte kurzes, unregelmässig langes, Haar. Er iwar relativ dünn man konnte aber einen kräftigen durchtrainierten Körper erkennen. Er wirke recht jung.

    Als ich mich etwas erholt hatte ging ich in den Wald und sammelte flink etwas Feuerholz und schichtete es am Ufer auf. Allerdings fehlte mir noch mein Feuerstein und Zunder, welches noch am anderen Flussufer zusammen mit Filou war.

    Das kleine Mädchen, welches vor uns lag wie ein kleines Häufchen Elend hatte Striemen am Rücken und starke Schürfwunden an den Beinen.

    „Ich glaube, sie ist ausgepeitscht worden und ist dann geflüchtet. Auf der Flucht hat Sie sich die Beine aufgeschürft“ sagte ich zu Hjaldis, welche nur stumm nickte.

    Während wir das Mädchen betrachteten, kam das kleine Ruderboot wieder. Der Matrose brachte eine Decke, etwas Wasser, Feuerstein und Zunder mit. Es sprang aber auch der Zwerg aus dem Boot, immer noch wütend über den Baumdrachen, welchen er angeblich auf dieser Flussseite gesehen habe. Er spannte seine Armbrust und ging in den Wald.

    Wir kümmerten uns erstmal nicht um ihn sondern um das kleine Mädchen.

    „Wer richtet nur so ein kleines Mädchen zu?“ fragte Hjaldis empört. Ich sagte ihr, dass es in den Eichwäldern immer wieder Fälle gab, wo Kinder verschwinden würden. Manchmal waren es Unfälle, manchmal wilde Tiere oder auch Orks. Als ich Orks erwähnte wurde Sie recht wütend und schimpfte auf die Schwarzpelze.

    Als wir so um das Mädchen herum saßen, legte das kleine Ruderboot noch mal an und es kam ein weiterer Mann dazu. Er trug einen Pelzmantel und schien mir ein etwas noblerer Herr zu sein, zumindest hatte er Geld. Das sah man.

    Er schaute sich das Kind an und war auch schockiert, als er die Misshandlungen sah.

    Allerdings meinte er, dass es sich hier auch um eine geflüchtete Leibeigene handeln könne.

    Nach einer Weile, schlug das Mädchen langsam seine Augen auf. Es war noch immer total verstört und verwirrt und schien rechte Angst zu haben. Zum Glück wirkte Hjaldis beruhigned auf das Kind und es fing an zu erzählen.

    Es spielte friedlich mit ein paar anderen Kindern am Flussufer in der Nähe ihres Dorfes. Es scheint, dass die spielenden Kindern dann entführt wurden und in eine Höhle gebracht wurden. Anscheinend wurden sie für Experimente missbraucht und der Aussage das Mädchens nach, gab es auch Orks unter den Übeltätern.

    Anscheinend konnte sich allerdings das Mädchen befreien und rannte los. Durch den Wald, immer weiter bis es in den Fluss fiel. Den Rest kannte ich ja.

    Während das Mädchen seine Geschichte erzählte, streichelte ich meinen Hund und überlegt mir, ob es dir Wahrheit sagte. Ich glaubte dem Mädchen und war von daher fest entschlossen den anderen Kindern zu helfen. Grimmig stand ich auf und schlug vor, auf das Schiff zu gehen und den Fluss entlang zu fahren.

    Die anderen stimmten mir zu und so wurden wir alle auf das große Schiff gebracht.

    Nach kurzer Rücksprache mit dem Kapitän war dieser bereit uns bis zu dem Punkt mitzunehmen, wo das Kind in das Wasser gefallen war. Es beschrieb einen großen Felsen.

    Also stellte ich mich an den Bug, legte meinen Langbogen neben mich und betrachtete genau das nördliche Ufer der Ingval.

    Nach etwas mehr als 2 Stunden schienen wir an die Stelle zu kommen, die zu der Beschreibung des Kindes passte.

    Ich betrachtete mir das Ufer genau. Der Felsen ragte etwas in den Fluss hinein, welcher an dieser Stelle eine Biegung machte. Es gab eine kleinen Streifen Kieselstrand, dahinter dichtes und ziemlich hohes Sichelgrass.

    „Ich glaube hier ist es.“ rief ich den anderen Abenteurern zu. Wolfhart, der edlere von uns, stimmte mir zu. „Ja, es scheint die Stelle zu sein, welche das Kind beschrieb“.

    Kurze Zeit später kam auch der Kapitän. „Ich kann Euch ans Land bringen lassen, aber wir fahren gleich weiter. Ich habe schon genug Zeit verloren und meine Ladung muss in Andergast gelöscht werden.

    Wir nickten und ich glaube, vor allem der Zwerg war sichtlich froh von Bord gehen zu dürfen.

    Also packte ich meine Sachen zusammen, rief Filou und kletterte in das kleine Beiboot.

    Ein Matrose brachte uns mit raschen Zügen an Land, die Ruder teilten das Wasser und die Nachmittagsonne spiegelte sich im Fluss. Es war ein herrlicher Tag, trotzdem war ich angespannt.

    Als der Kiel des kleinen Bootes auf dem Kies des Ufers aufkam, knirschte es vernehmlich.

    Ich packte meinen Langbogen und sprang beherzt von Bord und landete im feuchten Kies.

    Auch Wolfhart, der Zwerg Boindill, Leif und Hjaldis gingen an Land.

    So standen nun alle da und der Matrose legte wieder ab.

    „Möge Efferd immer für etwas Wasser unter Eurem Kiel sorgen!“ rief ich den Schiffern noch nach. Sie winkten freundlich, waren aber glaube ich froh uns und das Problem los zu sein.

    Ich klopfte auf meinen Oberschenkel und sofort war Filou an meiner Seite. „Komm, wir schauen ob es Spuren gibt.“ Sagte ich, mehr zu mir als zu den anderen.

    Vorsichtig bahnte ich mir meinen Weg durch das Grass in Richtung Felsen und Hjaldis folgte mir. Oben angekommen, sah ich noch gerade das Drachenschiff hinter einer Flussbiegung verschwinden und ich kniete mich auf den erwärmten Felsen. Es war ein karg bewachsener Felsen, etwas kleineres Geröll, ein paar spärliche Grasshalme und vor allem Sand.

    „Sand, das ist gut.“ dachte ich mir. Und in der Tat fand ich nach schneller Suche eindeutige Spuren. Ich konnte genau sehen, wo ein kleiner barfüssiger Mensch rannte, bis an die Klippen. Ich erkannte auch die Spuren von vier schweren Menschen und zwei etwas leichteren. Die Spuren der wahrscheinlich Erwachsenen gingen den Felsen hoch, bis zur Kippe und auch wieder zurück.

    „Bei Firun, das Mädchen hat die Wahrheit gesagt“ sagte ich zu Hjaldis. Sie nickte stumm.

    Der alte Mann unterbrach seine Geschichte und starrte ins Feuer. Danach suchte seine Hand den Bierkrug und er nahm einen kräftigen Schluck bevor er wieder anfing weiterzuerzählen.

    Also brachen wir auf. Ich folgte der gut lesbaren Spur die vom Fluss wegführte. Das Unterholz hatte deutliche Spuren hinterlassen und ich konnte überall abgeknickte Zweige, Fußspuren oder auch ab und zu kleine Stofffetzen sehen. Wir kamen gut voran und nach ein paar Stunden querten wir auf einmal einen Waldweg. Hier trennten sich die Spuren.

    „Ich glaube, die Verfolger sind auf ihrer Rückkehr hier den Weg nach Westen gegangen“

    Nach kurzer Beratung beschlossen wir aber den ursprünglichen Mädchenspuren zu folgen.

    Nach einer etwas beschwerlicheren Reise durch dichteres Unterholz kamen wir nach geraumer Zeit wieder auf einen Weg der etwas bergauf ging und dann nach rechts schweifte.

    Es war schon später Nachmittag und ich wusste, dass die Sonne bald ganz vom Himmel verschwinden würde. Trotzdem entschieden wir noch etwas nach vorne zu gehen.

    Als wir die Biegung erreichten, sahen wir in ein Tal. Im Tal lag ein kleines Dorf, etwas 5 bis 6 Häuser umringt von einem Palisadenwall, wie er nicht unüblichen in den nordlichen Steineichenwälder ist.

    Aus den Kaminen der Häuser kräuselte sich leichter Rauch, man hörte das Geschnarre von Tieren und das Hämmern eines Schmieds. Alles in Allem ein friedliches Bild.

    Allerdings wurde das Dorf von einem großen Steinhaus mit angebautem Bergfried dominiert. Es lag links im Dorf und überragte nicht nur alle umliegenden Hütten sondern auch die meisten der umliegenden Bäume.

    Ich kniete mich auf den Weg und grübelte, auch die anderen wussten nicht so recht ob wir dem friedlichen Bild trauen sollten.

    „Lasst uns erstmal ein Nachtlager aufschlagen.“ Schlug Wolf vor.

    Wir nickten und entschlossen uns ein kleines Stückchen von Weg ein Lager zu suchen.

    Ich fand recht schnell einen schönen Fleck bei einem umgestürzten Baum. Der Mossboden war weich und nachdem wir etwas Feuerholz gesucht hatten, prasselte recht schnell ein kleines Feuer vor uns.

    Am nächsten Morgen machten wir uns auf, die am Vorabend entdeckte Siedlung zu erkunden.

    Als wir uns fertig gemacht hatten, bemerkten wir ein Jägerpärchen, welches uns auf dem Weg entgegenkam. Gerade noch rechtzeitig konnten wir uns verstecken und sie zogen an uns vorbei.

    Wir beratschlagten dann unser weiteres Vorgehen und entschlossen uns dann denn direkten Weg in die Siedlung zu gehen um erstmal zu erkunden wer hier herrschte.

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